Markteinschätzung

2026 – Ein Jahr des thematischen Investierens

2026 zeigt: Thematisches Investieren schlägt breite Indizes. Während der MSCI World moderate Renditen liefert, glänzen Sektoren wie KI-Infrastruktur, Automatisierung, Clean Energy und Batterietechnologien mit deutlich höheren Renditen.

Andrea Bally
Publiziert
Lesedauer: 4 Minuten

Zusammenfassung

– Thematisches Investieren als Schlüsselstrategie: Im Jahr 2026 zeigt sich, dass thematische Investments einen Mehrwert bieten können

– Reale Investitionen: Der Markt belohnt zurzeit Themenbereiche, die von realen Investitionen getragen werden.

– Die vier wichtigsten Bausteine der KI sind: Rechenleistung, Automatisierung, Strom und Speicher

2026 ist ein Jahr der grossen Unterschiede. Die strenge Selektion des Marktes ist dabei das überzeugendste Argument für thematisches Investieren. Während breite Aktienindizes wie der MSCI World zwar solide, aber wenig aufregende Renditen erzielen, heben sich Themenbereiche, die von realen Investitionen getragen werden, deutlich ab. So verzeichnen etwa Automatisierung und Clean Energy trotz eines Rückschlags im Juni ein Plus von über 20 Prozent. Noch beeindruckender sind die Zuwächse bei Lithium und Batterien mit fast 30 Prozent sowie bei der KI-Infrastruktur, die sogar um fast 50 Prozent zulegte. Wer ausschliesslich auf den MSCI World Index setzt, profitiert von diesen Entwicklungen nur in stark abgeschwächter Form – und das vor allem durch die grossen Tech-Konzerne, die ohnehin in vielen Depots überrepräsentiert sind. Thematische ETFs hingegen bieten die Möglichkeit, gezielt und dennoch breit gestreut in die Wertschöpfungsketten hinter den grossen Zukunftsthemen zu investieren, ohne sich auf einzelne Aktien festlegen zu müssen.

Diese Wertschöpfungsketten lassen sich in diesem Jahr in vier zentrale Bausteine unterteilen: die Rechenleistung selbst (AI Infrastructure), ihre praktische Anwendung in der Wirtschaft (Automation & Robotics), die Energiequelle, die die KI antreibt (Clean Energy Transition), sowie die Speichertechnologien, die Erzeugung und Verbrauch von Strom miteinander verbinden (Lithium & Battery Producers).

Rechenleistung – das Fundament der KI

Die Hyperscaler bauen Rechenzentren in rasantem Tempo, oft im Wochentakt. Jedes dieser Zentren ist mit Tausenden von Spezialchips, Hochleistungsnetzwerken, effizienten Kühlsystemen und leistungsstarken Stromanschlüssen ausgestattet. Diese enorme Nachfrage spiegelt sich deutlich in den Auftragsbüchern der Chiphersteller und Ausrüstungsproduzenten wider. Viele Chips sind bereits für mehrere Quartale im Voraus ausverkauft, und auch bei Netzanschlüssen für neue Rechenzentren gibt es lange Wartezeiten.

Investitionen in KI-Infrastruktur basieren nicht auf der Hoffnung, dass KI eines Tages profitabel wird – sie fliessen bereits in Unternehmen, die heute Gewinne erzielen. Für Investoren spielt es dabei keine entscheidende Rolle, welches KI-Modell sich letztlich durchsetzt. Vielmehr ist die KI-Infrastruktur das zentrale Element, das eng mit der Stimmung der Marktteilnehmer verknüpft ist. Die Bewertungen vieler Zulieferer spiegeln bereits optimistische Erwartungen für ein anhaltendes Wachstum über Jahre hinweg wider. In den kommenden Quartalen wird es jedoch entscheidend sein, ob die Hyperscaler ihre ambitionierten Investitionspläne tatsächlich umsetzen können. 

Automatisierung - KI in der Fabrikhalle

Wohin fliesst die Rechenleistung eigentlich? Immer mehr wird sie in Roboter, Sensoren und Software integriert, um Fabriken, Lager und Logistikketten effizienter zu gestalten. Der eigentliche Antrieb hinter dieser Automatisierungswelle ist jedoch nicht die KI selbst, sondern ein älterer und stabilerer Faktor: die Demografie.

In vielen Ländern gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen und die Löhne steigen. Diese Entwicklungen setzen Unternehmen unter Druck, ihre Prozesse zu optimieren. Hinzu kommt, dass geopolitische Spannungen dazu führen, dass Firmen ihre Produktion verstärkt in Hochlohnländer zurückverlagern. Damit sich das wirtschaftlich lohnt, müssen Maschinen einen Teil der Arbeit übernehmen.

Die Automatisierung ist dabei keineswegs ein vorübergehender Trend, sondern ein tiefgreifender, struktureller Wandel, der die Art und Weise, wie wir arbeiten und produzieren, nachhaltig verändert.

Strom – Energiewende und KI

Die Energiewende wurde über Jahre hinweg vor allem als ein Projekt für den Klimaschutz betrachtet – getragen von politischen Zielsetzungen, Subventionen und einer grossen Portion Idealismus. Doch als die Zinsen im Jahr 2022 infolge der pandemiebedingten Inflation sprunghaft anstiegen, gerieten die kapitalintensiven Geschäftsmodelle von Solar- und Windunternehmen massiv unter Druck. Die Folge: vier Jahre in Folge (2021 bis 2024) mit Verlusten und Kurskorrekturen von teils über 20 Prozent – eine der wohl härtesten Lektionen für thematisches Investieren in der letzten Dekade.

In diesem Jahr hat sich der Clean-Energy-Sektor jedoch zu einem deutlich robusteren Investmentfeld entwickelt. Der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) hat einen unerwartet hohen Strombedarf ausgelöst. Grosse Rechenzentren verbrauchen mittlerweile so viel Energie wie kleine Städte, und Hyperscaler sichern sich Stromerzeugungskapazitäten bereits Jahre im Voraus. Gleichzeitig hat der Konflikt im Iran die Preise für Öl und Gas in die Höhe getrieben, was erneuerbare Energien im Vergleich noch attraktiver macht. In vielen Regionen der Welt sind Wind- und Solarenergie inzwischen die kostengünstigsten Stromquellen.

Trotz dieser positiven Entwicklungen sollten Anleger jedoch nicht vergessen, dass der Sektor weiterhin stark von den Zinsbewegungen beeinflusst wird. Die Zinssensitivität bleibt ein entscheidender Faktor, den es im Blick zu behalten gilt – auch inmitten der aktuellen Euphorie.

Speicher – der Engpass für die KI

Speicher sind ein oft unterschätztes, aber essenzielles Bindeglied in der Welt der Künstlichen Intelligenz (KI). Sie gleichen das zeitliche Ungleichgewicht zwischen Energieerzeugung und -verbrauch aus, indem sie überschüssige Energie speichern und bei Bedarf bereitstellen. So wird etwa Solarenergie mittags erzeugt, aber oft erst abends benötigt. Batteriespeicher sind der physische Knotenpunkt, an dem Energiewende, Elektromobilität und der KI-Boom zusammenlaufen.

Allerdings sind Batteriespeicher nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich herausfordernd. Ihre Produktion hängt stark von Rohstoffen wie Lithium ab, dessen Preis 2023 und 2024 um etwa 80 Prozent fiel. Grund dafür war eine Überproduktion nach Rekordpreisen, die auf eine sinkende Nachfrage nach Elektroautos traf. Viele Lithiumminen mussten ihre Produktion drosseln, doch inzwischen erholt sich der Markt langsam.

Für Investoren ist es wichtig, die Abhängigkeit dieses Sektors von Rohstoffpreisen und Chinas dominierender Rolle in der Zellfertigung zu verstehen. Investitionen in diesen Bereich bergen Risiken, die sorgfältig abgewogen werden sollten.

Mehrwert mit thematischen Investments 

Für Anlegerinnen und Anleger ist es entscheidend, ein solides Kernportfolio zu besitzen, das sie sicher durch alle Marktphasen begleitet. Doch gerade in diesem Jahr lohnt es sich, genauer zu hinterfragen, welche Bereiche dieses Kernportfolio möglicherweise nicht abdeckt. Themen wie die Zulieferkette für Rechenleistung, industrielle Anwendungen, die Energieversorgung und der Engpass bei Speicherkapazitäten sind im globalen Index oft nur unzureichend vertreten. Genau an diesen Stellen können thematische Satellitenfonds echten Mehrwert bieten, anstatt lediglich bestehende Positionen zu verdoppeln. Der Ausverkauf Ende Juni sollte dabei nicht als Trendwende missverstanden werden, sondern vielmehr als ein Belastungstest betrachtet werden.

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