Nachhaltigkeit

Die Offshore-Windkraft als zentraler Aufwind der Klimaziele – und wie die Vestas-Aktie profitiert

Die Ozeane bedecken über 70 Prozent der Erdoberfläche, doch ihre Nutzung für erneuerbare Energien steht erst am Anfang. Mit weitreichenden Freiflächen und stetigen Seewinden bieten die Meere perfekte Bedingungen für Windkraftanlagen. Bis 2050 ist ein massiver Ausbau von Offshore-Windkraft geplant, welcher einen zentralen Beitrag zur europäischen Energieunabhängigkeit leisten wird. Hier eröffnet sich für Anlegerinnen und Anleger ein hochinteressanter, zukunftsträchtiger Markt für effiziente Stromproduktion mit Skalierungspotenzial.

Benjamin Gränicher
Publiziert
Lesedauer: 3 Minuten

Offshore-Windanlagen als Schlüsseltechnologien

Geopolitische Spannungen, Schwankungen an den fossilen Rohstoffmärkten und der steigende Strombedarf durch KI und E-Mobilität drängen zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Um eine weitere Energiekrise in Europa abzufedern, soll nach den Massnahmen der EU-Kommission die Netzinfrastruktur für erneuerbare Energien ausgebaut und mit grossen Anlagen wie Offshore-Windparks erweitert werden. 

Zusätzlich soll Europa bis 2050 Netto-Null erreichen. Dabei spielt die Offshore-Windkraft eine zentrale Rolle: Laut dem Global Wind Energy Council (GWEC) sind Offshore-Windanlagen die einzige erneuerbare Energiequelle, die im grossen Massstab und in hohen Kapazitäten rund um die Uhr Strom generieren kann. Sie sind somit eine der Schlüsseltechnologien, die Europas Energiesicherheit und Klimaneutralität bis 2050 sichern soll.   

Aufwind in der Marktsituation 

Nach einer turbulenten Phase im Vorjahr wegen gestiegener Zinsen, hoher Kapitalkosten und makroökonomischer Nachwirkungen der Ukraine-Krise gewinnt der Offshore-Windmarkt dieses Jahr wieder an Aufschwung: Laut dem World Forum Offshore Wind (WFO) werden bis Ende 2026 zusätzliche 24,5 GW an Offshore-Windleistung in Betrieb genommen (2025: 6 GW). Für die weiteren Jahre prognostiziert GWEC ein globales Marktwachstum von 24 Prozent bis 2030 und weiteren 13 Prozent pro Jahr bis 2035, bei einem erwartetem Ausbau von 328 GW.

Diese Prognosen stützen auch konkrete politische Massnahmen. So vereinbarten die Nordsee-Anrainer am Nordsee-Gipfel ein regionales Ziel von 300 GW bis 2050, während die globale GOWA-Initiative ihre Mitglieder auf weltweit 2’000 GW verpflichtet.

Mit diesen Ausbauzielen wird die Nachfrage nach Turbinenherstellern zukünftig steigen und prognostizierte Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2031 in diesen Sektor treiben.

Technologische Fortschritte

Nebst den politischen Weichenstellungen sind technologische Fortschritte die grössten Treiber des Sektors, allen voran leistungsfähigere Turbinen: Seit 2021 ist die 15 MW-Turbine von Vestas auf dem Markt, und Prototypen der Konkurrenz erreichen Kapazitäten von bis zu 26 MW. Laut der International Renewable Energy Agency führen diese Skaleneffekte zu spürbaren Kostenreduktionen bei der Installation, was die Stromgestehungskosten voraussichtlich senken wird. 

Ein weiterer Meilenstein ist «Floating Offshore Wind» (FLOW). FLOW bezeichnet schwimmende Turbinen, die über Anker und Tauwerk elastisch mit dem Meeresgrund verbunden sind. Schottland nimmt hierbei eine Führungsrolle ein: Neben der Kincardine-Anlage als weltweit grösstes FLOW-Projekt im Betrieb befinden sich weitere 24 GW in der Entwicklungspipeline. Da herkömmliche Offshore-Anlagen auf eine Wassertiefe von maximal 50 bis 60 Metern beschränkt sind, eröffnet FLOW rund 70 Prozent der weltweiten Offshore-Potenziale. Damit lassen sich neu auch tiefere Meeresregionen vor Norwegen, Portugal, Japan oder Südkorea für die grüne Energiegewinnung nutzen.

Die Wirtschaftlichkeit von Offshore-Windkraft

Trotz eines Rückgangs der Stromgestehungskostenum rund 63 Prozent seit 2010 bleiben Offshore-Projekte in der reinen Anschaffung teurer als Windparks an Land und sind eher vergleichbar mit fossilen Energieträgern. Salzwasser-Korrosion, Spezialtransporte und komplexe Installationen bei Seegang treiben die Anfangsinvestitionen in die Höhe. 

Dass sich diese hohen Anfangsinvestitionen im laufenden Betrieb jedoch rechtfertigen, liegt an den spezifischen Standortvorteilen auf dem Meer sowie an erheblichen Einsparungen im Gesamtsystem. Dazu gehören stetigere Windverhältnisse, keine Miet- und Entschädigungskosten für den Landbesitz und die Nähe zum Verbraucher. Zudem entfallen potenzielle politische Konflikte zur Landnutzung. 

Offshore-Windkraft ist auf Anlagenebene in der Anschaffung teurer, gewinnt ihre Konkurrenzfähigkeit jedoch über den Lebenszyklus. Wenn Netzanbindungen zügig realisiert werden und staatliche Auktionsmodelle (z.B. Contracts for Difference) Einnahmesicherheit garantieren, rentabilisieren die höheren Erträge die anfänglichen Investitionen im Zuge über die Betriebsdauer.

Investment-Case Vestas: Der globale Leader

Das Portfolio des Vermögensverwaltungsmandats «Inspire» der Migros Bank enthält mit dem dänischen Turbinenhersteller Vestas einen der globalen Leader der Offshore-Windkraft. Gemäss WFO belegte Vestas mit einem Anteil am weltweiten Offshore-Markt von 14 Prozent (2020–2025) den zweiten Platz und sicherte sich 2025 im Wettbewerbsvergleich die meisten Aufträge. Das technologische Flaggschiff des Unternehmens ist die V236-15.0-MW-Turbine, die genug Strom für 20 000 Haushalte pro Jahr generieren kann. Dass die Technologie gefragt ist, zeigen Schlüsselverträge im Vorjahr für zwei asiatische Grossprojekte und das Projekt «Nordlicht» in Deutschland, die allesamt auf das V236-15.0-MW-Modell setzen. Ein Umsatz von 18,8 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von 5,7 Prozent bescherten Vestas 2025 die höchste Profitabilität seit sechs Jahren. Davon profitieren auch Anlegerinnen und Anleger: Das Unternehmen schlägt eine Gesamtausschüttung von 51 Prozent an Aktionäre vor.

Dieses Jahr startete Vestas mit starkem Rückenwind, angetrieben von einem hohen Offshore-Auftragseingang von 2,76 GW. Grund war der Grossauftrag aus Grossbritannien für «Vanguard West» und «Vanguard East» mit einer Bestellung von insgesamt 184 V236-15.0-MW-Turbinen. Neben der Produktion baut Vestas kontinuierlich das margenstarke Wartungsgeschäft aus. Die langfristige Instandhaltung der installierten Turbinen sorgt für einen wiederkehrenden Cashflow und stabilisiert die Ertragslage unabhängig von Neuanlagen.

Stand Juni 2026 hat Vestas insgesamt 58 Offshore-Projekte mit einer Gesamtleistung von über 12 GW erfolgreich ans Netz anschliessen können. Langfristig strebt Vestas an, schneller als der Gesamtmarkt zu wachsen und eine EBIT-Marge von mindestens 10 Prozent zu erreichen.

Blick in die Zukunft

Für Anlegerinnen und Anleger bietet die Vermögensverwaltung «Inspire» der Migros Bank die Möglichkeit, in eines der zentralen Unternehmen dieses zukunftsträchtigen Sektors zu investieren. Offshore-Windkraft wird das Rückgrat eines dekarbonisierten europäischen Energiesystems sein. Auch für die Schweiz ist der europäische Offshore-Ausbau von Interesse: Das entstehende «Supergrid» vernetzt erneuerbare Energiequellen in ganz Europa und sichert der Schweiz den Anschluss an die Nordsee-Windparks.

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