Markteinschätzung

Eintritt der US-Hyperscaler auf dem Schweizer Anleihemarkt

Die grossen US-Technologiekonzerne haben den Schweizer Anleihemarkt als neue Finanzierungsquelle entdeckt. Unternehmen wie Alphabet (Google) und Amazon haben in den letzten Monaten Anleihen in Schweizer Franken emittiert, um ihre massiven Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) zu finanzieren.

Valentino Guggia
Publiziert
Lesedauer: 3 Minuten

Die sogenannten Hyperscaler stehen vor enormen finanziellen Herausforderungen: Sie bauen IT-Infrastrukturen aus, um der steigenden Nachfrage der KI nach Cloud-Diensten und datenintensiven Technologien gerecht zu werden. Dafür planen diese US-Tech-Unternehmen allein im laufenden Jahr Investitionen in Höhe von 900 Milliarden Dollar. Diese Investitionen umfassen den Bau von Rechenzentren, die Entwicklung neuer Technologien und die Skalierung ihrer globalen Netzwerke. Um diese Vorhaben zu finanzieren, greifen die Unternehmen zunehmend auf Fremdkapital zurück und diversifizieren ihre Finanzierungsquellen über verschiedene Währungsräume hinweg.

Warum der Schweizer Anleihemarkt?

Der Schweizer Anleihemarkt bietet für internationale Unternehmen mehrere Vorteile. Einer der Hauptgründe ist das historisch niedrige Zinsniveau in der Schweiz. So können Hyperscaler mit hoher Bonität wie Alphabet und Amazon von günstigen Konditionen profitieren. Zudem ist der Schweizer Markt für seine Stabilität und die hohe Nachfrage institutioneller Investoren mit grossen Liquiditätsbeständen, wie Pensionskassen, bekannt. Allerdings birgt die Emission von Anleihen in Schweizer Franken auch Risiken, für US-Unternehmen insbesondere das Währungsrisiko, das durch Wechselkursschwankungen entstehen kann. Durch eine Staffelung der Laufzeiten und die Absicherung mit Termingeschäften können sich die emittierenden Unternehmen vor diesem Risiko schützen.

Die von den Hyperscalern emittierten Anleihen gehören zu den grössten, die jemals auf dem Schweizer Markt platziert wurden. Alphabet sammelte im Februar 2026 rund 3 Milliarden Franken ein, während Amazon im Mai 2026 Anleihen im Wert von 2,82 Milliarden Franken ausgab. Diese Summen entsprechen jeweils fast 2 Prozent des gesamten bestehenden Schweizer Unternehmensanleihenmarktes. Die Anleihen wurden überwiegend langfristig ausgelegt, was den Unternehmen Planungssicherheit für ihre mehrjährigen Investitionsprojekte bietet.

Kaum Auswirkungen auf das Renditeniveau

Auch wenn die massiven Emissionen der US-Hyperscaler über 20 Prozent aller Investment-Grade-Emissionen auf dem Schweizer Anleihemarkt ausmachten, wurde das Renditeniveau nur marginal beeinflusst. Zurzeit fehlen die Hinweise, dass diese Emissionen zu einem generellen Anstieg des Renditeniveaus beigetragen haben. Im Gegenteil sind die Risikoprämien – also die zusätzlichen Zinsen, die Investoren als Entschädigung für das Ausfallrisiko verlangen – in mehreren Bereichen leicht gesunken. Allerdings führte die hohe Nachfrage nach den Anleihen von Alphabet und Amazon dazu, dass einige Schweizer Unternehmen ihre eigenen Emissionen zeitlich verschieben oder in der Grösse anpassen mussten, um nicht mit den Hyperscalern um Investoren zu konkurrieren.

Chancen und Risiken für den Schweizer Markt

Die Präsenz der Hyperscaler auf dem Schweizer Anleihemarkt bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Einerseits profitieren Investoren von der Möglichkeit, in hoch bewertete, liquide Anleihen von Unternehmen mit starken Bilanzen und stabilen Cashflows zu investieren, mit einem Renditeniveau, das (im Gegensatz zu dem der Staatsanleihen) nach Abzug der Inflation einen positiven Realzins liefert. Andererseits aber besteht das Risiko einer Konzentration, da die grossen Emissionen der Hyperscaler schnell einen erheblichen Anteil an den Obligationenindizes ausmachen können. Dies könnte dazu führen, dass Investoren ihre Bestände an diesen Anleihen begrenzen müssen, was die Unternehmen zwingen könnte, höhere Renditen anzubieten.

(Foto: Keystone / Ennio Leanza)

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