Markteinschätzung

Hohe Hypothekarzinsen prägen amerikanischen Wohneigentumsmarkt

Eine neue Hypothek in den USA abzuschliessen, ist teurer geworden. Der durchschnittliche Zinssatz für die Standardhypothek ist im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich höher. Verkäufe und Umzüge sind deshalb aus Sicht vieler Eigentümerinnen und Eigentümer weniger erstrebenswert, da damit die günstigeren Zinskonditionen aus einer zuvor abgeschlossenen Hypothek nicht aufrechterhalten werden können.

Michelle Müller
Publiziert
Lesedauer: 3 Minuten

Schweiz - USA: Grosse Unterschiede zwischen den Hypothekarsystemen

Während in der Schweiz Festhypotheken mit kurzen Laufzeiten sowie SARON-Hypothek den Markt dominieren, werden in den USA hauptsächlich 15- oder 30-jährige Festhypotheken abgeschlossen. Der Zinssatz bleibt dabei über die gesamte Laufzeit bestehen. Damit profitieren Käuferinnen und Käufer von langfristiger Planbarkeit und Sicherheit und können bei tiefen Zinsen langjährige Hypotheken abschliessen. Zudem kann die Hypothek jederzeit refinanziert werden, wenn die Zinsen sinken. Im Falle eines Zinsanstiegs bietet die lange Laufzeit Schutz. 

Bei einem Verkauf hingegen wird in der Regel ein neuer Vertrag mit aktuellem Hypothekarzins abgeschlossen, und ein möglicherweise zuvor besserer Zinssatz geht verloren. Somit wollen viele Eigenheimbesitzende jetzt nicht verkaufen, insbesondere nicht, wenn sie damals ihre Hypothek in der Zeit zwischen 2021 und 2022 abgeschlossen haben, als die langfristigen Hypothekarzinsen in den USA noch bei rund 3 Prozent lagen. Aktuell liegen sie bei rund 7 Prozent. Bereits im Vergleich zum Jahresbeginn ist ein Unterschied festzustellen; damals war der Durchschnitt noch bei leicht über 6 Prozent. 

Angebot knapp, Nachfrage verhalten

Obwohl sich das Angebot bei den Bestandsimmobilien langsam wieder etwas ausweiten konnte, ist das Angebot im langjährigen Vergleich weiterhin knapp. Das führt dazu, dass die Preise stabil bleiben.

Das Angebot kann sich unter anderem aufgrund der Problematik mit den neueren, teureren Hypothekenabschlüssen nicht schnell genug ausweiten, da deshalb viele Eigenheimbesitzende nicht verkaufen wollen. Mithilfe von Neubauten kann ein Teil der Knappheit ausgeglichen werden, der Bedarf läge jedoch höher. 

Die Nachfrage ist allerdings momentan auch nicht so stark. Natürlich würden sich viele gerne eine Immobilie zur Selbstnutzung kaufen, jedoch sind die Preise für viele Interessenten oftmals zu hoch, obwohl die nominalen Preise in der Tendenz kürzlich nur noch leicht gestiegen sind. Dies widerspiegelt sich wiederum in den niedrigen Transaktionsvolumina, die derzeit geringer ausfallen als in den Jahren zuvor. Die Kaufinteressenten sind deutlich preissensibler unterwegs, und die hohen Preise, kombiniert mit hohen Hypothekarzinsen, führen dazu, dass die Tragbarkeit sinkt. Aufgrund der erhöhten Inflation in den USA sind real Preisrückgänge zu beobachten. 

Der erhöhte Inflationswert hat dazu geführt, dass die US-Notenbank Fed im vergangenen Monat den Leitzins einstimmig angehoben hat. Die Hypothekarzinsen in den USA sind jedoch stärker an die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen gekoppelt als an den Leitzins, was vor allem an der Laufzeit- und Risikostruktur des US-Immobilienmarktes liegt. 

Schwieriges Umfeld für Kaufinteressierte

Für Kaufinteressentinnen und -interessenten ist die aktuelle Situation am amerikanischen Wohnimmobilienmarkt herausfordernd. Sie finden ein eingeschränktes Angebot vor, die Preise verharren auf einem hohen Niveau, und die Finanzierung gestaltet sich ebenfalls teuer. Trotzdem wünschen sich viele weiterhin ein Eigenheim. 

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